Mittwoch, 22. Juni 2016

„Time to say goodbye“ …

… heißt es für mich in leider schon einer Woche. Ein Jahr, was sich anfangs noch so unendlich lang anhörte, neigt sich nun dem Ende. Schon seit Wochen tröste ich mich mit wohlwollenden Aufrundungen meiner verbleibenden Zeit (alles was auch nur einen Tag länger ist als ein Monat sind zwei Monate!), mit dem Wissen, aus dem afrikanischen Winter in den deutschen Sommer zurückzukehren (auch wenn es momentan temperaturmäßig keine großen Unterschiede gibt, wohl aber bei der Regenmenge) aber auch wieder auf ein Zuhause mit Heizung, keinen Stromausfällen, bequemen Sitzgelegenheiten, Wasch- und Spülmaschine, und natürlich vor allem auf Freunde und Familie. 
Bogenschießen beim Zwischenseminar

Seit dem Zwischenseminar im März, das leider nicht nach 50% meiner Zeit stattfand, sondern mich eher an meine verschwindend geringe Restzeit erinnerte, ist wieder einmal viel passiert, vor allem im Projekt war immer etwas los. Mittlerweile ist der zweite Schwimm-Kurs am Laufen, auch wenn es öfters mal Probleme mit dem Pool gab (Wasser zu dreckig, Wasser zu kalt, Wasser nicht da), was leider regelmäßig viele enttäuschte Kinder-Augen hinterließ. Den Grund für diese zahlreichen Ausfälle beschrieb eine unsere Schwimmschülerin Nozipho (12) ganz trocken mit den Worten „It’s because … black people ... don’t have … the mind“. 

„The Mind“ haben unsere Deutschschüler aber ganz ohne Zweifel. Mittlerweile hat sich die „Elite“ herauskristallisiert, zwei junge motivierte Schüler haben die Basics der deutschen Sprache gemeistert und haben sich erfolgreich für ein Freiwilligenjahr in Deutschland beworben, jetzt geht es um die Vermittlung mit den Einsatzstellen, Gastfamilien, Visum, etc. 

Mehrmals hatten wir auch größere Gruppen aus den USA zur Unterstützung vor Ort, sodass wieder einmal die Gebäude des KYPs einen neuen Anstrich bekamen, neue „Shacks“ (Wellblechhütten) im Township errichtet wurden und auch der Garten im nun 3. Versuch wieder erblüht, wir hoffen, dieses mal länger als die beiden Male zuvor. 
Neuer Anstrich der Creche nebenan

Helfer beim Shack-Bauen

















Auch außerhalb des liebgewonnenen Townships Kliptown war wieder einmal jede Menge los: den bisher größten Kulturschock erlebten wir nicht etwa bei unserer Ankunft hier in Südafrika, sondern letzten Donnerstag, als wir mitten in der Millionen-Metropole ein kleines Stück Deutschland entdeckten. In einer deutschen Schule, in der wir vom „Schwarzen Brett“ begrüßt und mit Erdinger Weißbier, Glühwein und Gulaschsuppe versorgt wurden, schauten wir das enttäuschende Deutschland-Spiel gegen Polen. Immerhin eine positive Sache konnten wir mitnehmen: dank einem Mini-Fanshop ziert unser Wohnzimmer neben einer südafrikanischen Flagge jetzt auch eine (natürlich kleinere) Deutschland-Flagge. 

Nur zwei Tage später stand zumindest für Thomas das nächste große Event an: J Cole füllte den ca. 10.000 Menschen fassenden „Ticketpro Dome“ in Johannesburg und das ganze Spektakel gab es für nur 14€ zu bewundern. Hier ein Ausschnitt des Konzerts:


Für all diejenigen denen der Name J Cole kein Begriff ist: er lässt sich auf der Forbes-Liste der Hip-Hopper/Rapper noch vor Drake auf Platz 4 wiederfinden – unfassbar, dass es Leute geben soll, die diesen zuvor nicht kannten! 

Wilde Tiere im Township Joza
"Soweto Toilet" and "Springbok"
Dafür ging es für mich davor noch ein letztes Mal auf Reisen (ausnahmsweise nicht in den Krüger). In Grahamstown, der „City of Saints“ im Eastern Cape besuchte ich eine andere Freiwillige, wo ich neben 76 Kirchen (auf ca. 50.000 Einwohner) auch jede Menge freilaufende Esel und Kühe sah, im Projekt Zeuge eines epischen „Dance-Battles“ wurde und in einer Bar einen Shot mit dem schönen Namen „Soweto Toilet“
probiert habe. Zu einem Ausflug an den Strand reichte es trotz schönstem Wetter leider nicht mehr, dennoch hatte ich dort eine schöne Zeit und bekam wieder einmal neue Einblicke in die „Regenbogennation“.



Hier der Link zum "Epic Dance Battle":

https://www.dropbox.com/s/lydeyu8k9ywxiri/VID-20160609-WA0015.mp4?dl=0

Grahamstown im Tal, Township auf dem Hügel



















Der zweite Stopp meiner Reise Port Elizabeth begrüßte mich mit eisigen Temperaturen und Regen, welchen wir im Gegensatz zum teilweise überfluteten Deutschland schon seit Wochen nicht mehr erleben mussten. Das war aber halb so wild, da ich auf meinem Garden-Route Trip schon einiges in „PE“ gesehen habe und u.a. dank der EM immer „beschäftigt“ war. Auch in der Millionen-Stadt am Strand entdeckte ich wieder ein Teil von Deutschland, nämlich eine Riesen-Portion Eisbein mit Kartoffelbrei und Sauerkraut. So hundertprozentig hat man Deutschland scheinbar doch nie wirklich verlassen.

Noch ein letztes Mal viele Grüße aus dem wunderschönen Südafrika nach Deutschland, saleni kahle und bis bald!


Freitag, 6. Mai 2016

"Freedom Day" - im wahrsten Sinne des Wortes ein FEIERtag


Welchen besseren Grund zum Feiern könnte es geben, als die Errungenschaft der Freiheit? Am 27. April wurde dieses Jahr zum 23. mal das Wort "Feiertag" beim Wort genommen und anlässlich des Endes der Apartheid im Jahre 1994 ordentlich gefeiert. Das KYP, das vormittags sonst immer eher ein ruhiger und beschaulicher Ort gewesen ist, verwandelte sich vom einen Tag auf den nächsten in eine bunte Spielwiese. Unter dem Motto "Let the children play" traten die Kinder als Trommler, Gumboots-Tänzer und Sänger auf, oder nutzten den freien Tag einfach für Spiel und Spaß.

Hier noch das passende Video des Gumboots-Dances dazu:

https://www.dropbox.com/s/newm99cgc082n5o/20160427_121829.mp4?dl=0

Nach den Feierlichkeiten im KYP war der Tag aber noch lange nicht beendet. Unter dem Namen "Umoja - The spirit of togetherness" treten jedes Jahr Künstler aus ganz Südafrika im Soweto Theatre auf. 
Unverhofft aber glücklicherweise kamen ich und eine Kurzzeit-Freiwillige im KYP aus New York noch an 2 Karten für diese Show, die definitiv ein Highlight in meinem bisherigen Aufenthalt in Südafrika war. Mit Humor, interessanten und informativen Geschichten und jeder Menge Spektakel und großartigen Show- und Tanzeinlagen wurden wir durch die Geschichte der südafrikanischen Musik während der Apartheid in ihrer kulturellen Vielfalt geführt. Neben den traditionellen Tänzen und Gesängen während der Feste und Rituale einheimischer Stämme stellten die Künstler u.a. einen Gospel-Gottesdienst nach, der dem Musical "Sister Act" in nichts nachstand, überzeugten uns, dass man mit nicht mehr als leeren Getränkedosen, Mülleimern oder Gummistiefeln hervorragend Musik machen kann, oder gaben uns einen Eindruck von der Zeit, in der die schwarze Bevölkerung in den sogenannten "Shebeens" illegal zusammenkamen, um zu feiern und sich auszuleben.
Die Investition der 100 Rand (ca. 6€) hat sich also absolut gelohnt!

Mittwoch, 30. März 2016

Was man in Soweto für 90 Rand (ca. 5€) alles bekommt....

  • Einen halben Monat Fitnessstudio
  • Pizza all you can eat und (Long-)Drinks all you can drink im "Trenchtown"
  • 2 Kino-Besuche und eine mittlere Portion Popcorn
  • min. 2 Ligaspiele im Orlando Stadium (z.T. auch kostenlos)
  • 3 Tage Miete für eine 3-Zimmer-Wohnung (aufgeteilt auf 2 Personen)
  • 3 komplette Autowäschen außen UND innen
  • 3 BBQ Double Menüs (mittlere Pommes und 0,4 l Getränk) von McDonald's
  • 4 Haarschnitte inkl. Rasur
  • 5 mal Bottomless Kaffee bei Mugg & Bean
  • 6 Hamster
  • 7 Sandwiches belegt mit Pommes, Wurst und Archaar ("Salat")
  • 8 Liter Benzin
  • 18 kg Orangen
  • 20 Eis in der Waffel bei McDonald's
  • 60 Esslöffel
  • 90 Minuten Ferngespräch nach Deutschland oder ca. 1000 Minuten WhatsApp-Call
  • 1440 (!!!) Doppelkekse mit Vanille-/Schoko- oder Orangengeschmack (leider nur im Super-Sonderangebot beim Schlussverkauf)

.....ODER.....

  • 2 nutzlose Aufkleber ("Randy the rat recycles") für Mülltonnen
  • 0,6 Liter Erdinger Weißbier
  • Ein Drittel-Ticket für eine Disco in Kapstadt
  • Ein Elftel eines HP Laptop-Kabels

Liebe Grüße aus Soweto (aus dem McDonald's)! ;)



Montag, 15. Februar 2016

Ein typischer Arbeitstag in Soweto …

… so etwas gibt es hier nicht, jeder Tag bringt neue individuelle Überraschungen mit sich!
Fassen wir trotzdem mal einige amüsante und denkwürdige Ereignisse protokollartig zusammen in einen Tag:

06:00 Aufstehen*, anschließend Fitness

*Diese Zeit verschiebt sich regelmäßig um unbestimmte Zeit nach vorne, da hin und wieder Laubbläser (gegen 6 Uhr), regelmäßig schreiende Kinder (ab 5 Uhr) oder laute Schnulzenmusik von den Nachbarn (ca. 12-3:30 Uhr) das Schlafen unmöglich machen.

09:00 Arbeitsbeginn (Garten wässern, Bücherei aufräumen, Deutsch vorbereiten)**

**Diese Zeit verschob sich schon vor längerem auf 08:45, da ab 9 schon das richtige „Arbeiten“ losgeht, das Putzen der Räume gehört da natürlich nicht dazu. Desweiteren hieß es auch bei Ankunft um 08:45 „You guys are late!“, da mitten in der Nacht beschlossen wurde, ein Raum müsse für ein besonderes Meeting schon früher zur Verfügung stehen. Man solle daher doch jeden Tag schon um 08:15 mit Besen und Wischeimer bereitstehen („You never know!“).

10:00 Deutschunterricht***

***Diese Zeit verschiebt sich je nach Verpflichtungen der Schüler auch mal auf 11, auf den Nachmittag oder auf unbestimmte Zeit nach hinten, da Deutschschüler noch nicht vollständig zu Deutschen mutiert sind und nicht immer pünktlich auf die Minute sind, was aber selbstverständlich sofort mit der Strafe „Zähle auf Deutsch bis zu der Zahl, wie viele Minuten du zu spät bist“ geahndet wird, was Liegestützen bisher noch immer vorgezogen wurde.

Ca. 13:00 Mittagessen (chronologisch nach Wochentagen sortiert: Pap + Chickenfeet, Pap mit Sauermilch, Reis mit Fisch, Pap mit Salat, Reis mit Chicken)****

****Diese Reihenfolge bzw. der Speiseplan kann sich beliebig ändern, was uns sehr entgegen kommt, wenn z.B. Chickenfeet durch Chicken ersetzt wird;  was uns aber auch manchmal in fast unerträglicher Anspannung stehen lässt, wenn es am Montag kein Chickenfeet gibt. Gibt es das Essen morgen? Am Mittwoch? Gar nicht? „You never know!“

Ab Ca. 13:15 je nach Tag, Internetverbindung und „hectic“ oder „not-hectic“-week: Deutschunterricht zum Zweiten, Newsletters versenden, Schwimmunterricht oder auch mal Wände streichen, Schuluniformen ausgeben oder in ganz seltenen Fällen sich sogar mal seinen persönlichen Beschäftigungen hingeben, „you never know!“

Ab 17:00 Feierabend!*****

***** „Are you guys already leaving? I need your help!“

Ca. 17:30 Feierabend!!!

Letztendlich ist doch jeder Tag unterschiedlich, was den Reiz hier an der Arbeit ausmacht, langweilig wird es nie (vor allem nicht mit Internetverbindung) und meist gibt es doch immer irgendetwas Sinnvolles zu tun. Der Deutschunterricht läuft mit mittlerweile 8 motivierten Schülern (neuer Rekord!) hervorragend, der Garten macht im zweiten Anlauf auch wieder Fortschritte, der zweite Schwimmkurs wird voraussichtlich ab nächster Woche starten und ab sofort haben wir dank einer Spende von Hundertprozent e.V. 40 neue Schultische!

Samstag, 9. Januar 2016

„Südafrika für Einsteiger“ oder „Warum ich mich doch noch in klimatisierte Reisebusse mit Audio-Guide setze…“

… der Grund dafür liegt ganz einfach darin, dass auch meine Eltern Lust auf dieses einzigartige Land bekommen haben und mich im Rahmen einer geführten Tour ("Südafrika für Einsteiger") über Weihnachten besuchen kamen. Diese Tour wurde in den ersten Stunden noch von mir selbst geführt, sobald wir Soweto verließen, sollte sich das aber ändern. Von dort an tauchte ich für zwei Wochen in eine fast vergessene Welt des pauschalen Tourismus ein. Mit dem Rest der überschaubaren Reisegruppe und unserer scheinbar allwissenden und stets top-organisierten Reiseführerin besichtigten wir die laut Wikipedia „gefährlichste“, laut Reiseführer(i)n „baumreichste“ und „größte Stadt, die nicht an einem Gewässer liegt“ nicht nur vom Boden aus, sondern auch aus 223m Höhe vom Carlton Centre.

2 Tage vor Heiligabend machten wir uns wieder einmal auf den langen Weg in den Krüger-Park. Bei 35 Grad und Sonne statt annähernden Minus-Graden in Deutschland hatten wir sehr viel Glück und einen scheinbar allsehenden Tour-Guide namens „Nomatter“, sodass wir eher weiter weg als näher heran fahren mussten, als sich ein brüllender Löwe und später ein riesiger Elefantenbulle blicken ließen. Auch ein Bild vom Festmahl „Hippo“, das sich 2 Hyänen gerade schmecken ließen und hunderte Geier sehnsüchtig erwarteten, bat sich uns direkt am Straßenrand. Sogar einen Leoparden, der seinerseits gerade das Festmahl „Impala“ zu sich nahm, entdeckte unser treuer Guide, obwohl wir am Morgen von ihm noch die Information bekamen, diese wären alle auf einer Konferenz in Stuttgart.

Nach zwei ereignisreichen Tagen im Park und zwei Nächten in schicken Häuschen mit Strohdach und modernen Insektenabwehrmechanismen (Geckos) im „Hippo Hollow Camp“ traten wir unsere Flugreise nach Kapstadt an. Weihnachtsstimmung kam indes überhaupt nicht auf, da wir erst abends in Kapstadt landeten, unsere "Weihnachtsgans" in einem indischen Restaurant zu uns nahmen und die Bescherung statt unterm Christbaum unter der viel zu kalt eingestellten Klimaanlage des Hotelzimmers stattfand. Überflüssig, anzumerken, dass wir NOCH weiter davon entfernt waren, Schnee zu haben, als bei 15° in Deutschland. Ähnliche Temperaturen hatten wir allerdings am nächsten Morgen auf dem 1.085 m hohen Tafelberg, von dem wir eine atemberaubende Sicht auf Kapstadt und Umgebung hatten. Um uns von den deutschen Temperaturen wieder etwas zu entfernen, entfernten wir uns mit der Seilbahn auch von der Bergstation, um dieses Kapstadt noch aus der Nähe zu betrachten. Neben dem Malaien-Viertel, in dem es bunte Wandfarbe scheinbar umsonst gegeben hatte, besichtigten wir auch eine Diamanten-Schleiferei. Die Einkäufe im anliegenden Shop fielen allerdings etwas kleiner aus, da selbst 0,1 Karat- Ohrringe schon 300€ kosteten, 




Tags darauf machten wir uns auf zum südlichsten, nein südwestlichsten Punkt der Welt, nein Afrikas, dem Cape of Good Hope. Auf dem Weg dorthin machten wir einen Zwischenstopp am Boulders Beach, an dem es von Brillenpinguinen nur so wimmelte, ein weiteres Tier, das auf der schier unendlichen Liste der südafrikanischen Tiervielfalt noch fehlte. Am mit großen Abstand südlichsten Punkt der ganzen Welt (oder so ähnlich) angekommen, hatten wir einmal mehr eine großartige Aussicht auf das Meer, traumhafte Buchten und die vegetationsreiche Landschaft der „Regenbogennation“.

Unser nächster Stopp waren die Weinberge von Stellenbosch, wo wir uns einer Weinprobe unterzogen, bei der uns u.a. „Spatzendreck“ serviert wurde.Dies war gleichzeitig auch unser "letztes Abendmahl", denn damit beendeten wir offiziell die Rundreise, hielten uns allerdings noch ein paar weitere Tage in der Stadt am Kap auf. Im Stadthotel, in dem wir die nächste Woche verbringen sollten, mussten wir nun auch nicht mehr auf den Luxus verzichten, eine eigene Waschmaschine + Trockner verwenden zu können. Dennoch wagten wir uns hin und wieder aus dem Hotel hinaus, um den schönen Ort Hout Bay zu besichtigen, auf dem Green Market Souvenirs zu kaufen oder eine schöne Parade zu bewundern, die auch nach 2 Stunden leider nicht auftauchte. 

Weitere Highlights waren das Two-Oceans-Aquarium, das den indischen und den atlantischen Ozean präsentieren soll. Im Ausstellungsstück des indischen Ozeans sahen wir neben riesigen Meeresschildkröten auch Mondfische und angsteinflößende Bullenhaie. Außerdem die Fahrt mit dem Riesenrad an der Waterfront und selbstverständlich das Feuerwerk an Silvester an selbiger. Ansonsten konnte man die freie Zeit auch einfach nutzen, um am Pool oder am Strand (wohlgemerkt nicht im 14° kalten Meer!) zu relaxen. Nach zwei ereignisreichen, eindrucksvollen Wochen werden wir nun nicht nur in Erinnerung behalten, dass wir zwei Millionen-Metropolen besichtigt und unzählige wilde Tiere gesehen haben, sondern auch den Geschmack von Kudu-/Impala- und Krokodilfleisch, die weniger schönen Erfahrungen mit südafrikanischer Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, den Gang zum „Palazzo Pipi“ nach der Weinprobe und nicht zuletzt die komplett ungewohnten Weihnachtsfeiertage ohne Weihnachtsbaum, dafür mit Weihnachtsliedern wie „Let it snow“ bei rund 30°!

Freitag, 18. Dezember 2015

Travelling the Garden Route – Mein Reisebericht

Alles begann am Abend des 30. November, zusammen mit 10 unserer KYP-Kollegen brachen wir nach Durban auf, wo wir unseren redlich verdienten Urlaub verbringen wollten. Nach monatelanger Abstinenz war die Freude über das Meer sehr groß, auch wenn einem Teil der Reise-Gruppe die Bewunderung desselben aus der Ferne schon ausreichte, während andere sich sofort in die Wellen stürzten. Dass bei einer so großen Gruppe alles ein bisschen länger dauert, ist natürlich klar, da muss vor jeder Mahlzeit verständlicherweise erst einmal gebrainstormt, diskutiert und abgestimmt werden, bevor man dann letztendlich doch nur in Kleingruppen zum KFC oder Chicken Licken aufbricht. Dass der Regen am letzten Tag unsere Pläne zunichte machte, störte uns nicht groß, schließlich gab es auch Drinnen immer was zu tun und ansonsten hatten wir auch eine sehr schöne (z.T. anstrengende) Zeit, schließlich war Durban auch der Ort, an dem ich meine vielversprechende Surfer-Karriere begann, die später noch richtig in Fahrt kommen sollte.

Am 3. Dezember trennten sich dann unsere Wege. Während zu elft die Rückfahrt nach Soweto angetreten wurde, machte ich mich in einem mehr oder weniger bequemen „Sleepliner“-Bus weiter auf den Weg nach Port Elizabeth. Als Backpacker-Neuling begann ich meinen ersten Tag mit einer Tour durch den nahe gelegenen Addo Elephant Park, quasi die Vorstufe zum Krüger-Park. Trotz mittlerweile hoher Ansprüche machte die Tour viel Spaß, neben Hunderten der Namensgeber des Parks sahen wir noch jede Menge Warzenschweine („Pumbas“), Erdmännchen („Timons“), Büffel, Kudus, Mistkäfer, Vögel, etc.

Noch am gleichen Abend bemerkte ich dann auch, dass Rucksack-Reisen gar nicht so schlimm sind, im schönen Hostel traf ich unzählige nette Reisende aus der ganzen Welt, so dass ich am nächsten Tag auch die meiste Zeit im Hostel und am/im Pool verbrachte, da „PE“ auch laut den Einheimischen nicht allzu viel zu bieten hat, was ich vor allem am Abend beim „Feiern“ bestätigen konnte. Was eigentlich der Broadway PEs sein sollte, war lediglich eine minimal höhere Dichte von Restaurants und vereinzelten Bars; von lauter Musik und feierwütigen Menschen keine Spur.

Am nächsten Tag hielt ich mich schön an meine penibel geplante Tour und fuhr mit dem von deutschen Touristen voll gestopften „Baz Bus“ weiter nach Jeffreys Bay, wo ich meine bisher noch sehr dürftige Surfer-Karriere etwas vorantreiben wollte. Dort angekommen bemerkte ich auch schnell, dass das hübsche Touristenstädtchen am indischen Ozean außer den längsten Wellen der Welt nicht allzu viel mehr zu bieten hatte. Mit Board und Wetsuit bewaffnet und zwei italienischen Urlaubern an meiner Seite versucht ich also, diese Wellen zu bändigen.

2 Tage später, einige Erfolgserlebnisse und viele Verzweiflungsmomente reicher, setzte ich dann meinen Weg an der Küste entlang fort und kam dank dem Baz Bus planmäßig in der Wild Spirit Lodge im Nature´s Valley, Tsitsikamma an, nahe dem offiziellen Beginn der Garden Route. Da ich laut Plan dort nur einen Tag verbringen würde, hatte ich dafür eine lange Liste. Am Abend des Tages war meine Liste dank Tipps von anderen Reisenden doppelt so lang. Da die Lodge ihrem Namen alle Ehre machte und auch ansonsten ein großartiger Ort inmitten traumhafter Natur war, warf ich meinen Plan gerne über den Haufen und verlängerte meinen Aufenthalt dort auf 3 Tage und bereute es nicht.

Kaum hatte ich diesen Entschluss gefasst, fand ich mich am nächsten Morgen auf der 216m hohen Bloukrans Bridge vor, von der ich mich in die Tiefe stürzte. Glücklicherweise hatte ich ein Seil an meinen Füßen, das meinen Fall abfing und an dem ich anschließend wieder hochgezogen werden konnte.


Von meiner ursprünglichen Liste war zwar auch noch am zweiten Abend kein einziger Punkt abgehakt worden, einen weiteren Tag später wurden meine Bedürfnisse jedoch endlich gestillt. Am Vormittag probierte ich das „Canyoning“ aus, mit Wetsuit und Klettergurt bewaffnet und zwei Schränken von Guides an meiner Seite gingen wir in die malerischen Canyons von Tsitsikamma und wateten, schwammen, „Zip-line“-ten und abseilten uns durch Flüsse, Felsspalten und Wasserfälle, ebenso wie der Bungee Jump eine unvergessliche Erfahrung! 


Am Nachmittag ging es dann weiter mit purem Abenteuer: todesmütig begab ich mich in eine riesige Voliere voller wilder und exotischer Vögel. Ob Tauben, Enten, Flamingos, unzählige Arten von Papageien oder anderen für einen Laien wie mich nicht zuzuordnende Vogelarten, alle habe ich sie überlebt und vollendete so auch mein 3. Abenteuer.


Auf Kosten des Städtchens Knysna reiste ich 2 Tage später als geplant weiter nach Oudtshoorn, wo ich glücklicherweise nicht von trockenem, tropischen Wetter erwartet wurde, wie es die Wettervorhersage 2 Wochen zuvor noch verlauten ließ. 
Das wäre schlussendlich aber auch egal gewesen, da ich meinen ersten Vormittag in den 18° kühlen „Cango Caves“ verbrachte.
Nach einer halbstündigen Tour durch die riesigen unterirdischen Kammern folgte die „Adventure-Tour“. Der Name versprach nicht zu viel, wenig später sah ich mich zwischen engen Felsspalten, in des „Teufels Schornstein“ oder auf dem Bauch kriechend in der nur 27cm flachen „Postbox“.

Später am Tag ging es weiter zur Straußenfarm, wo es die großen, flugunfähigen Vögel nicht nur zu füttern, sondern auch zu reiten gab. Zum Glück konnten diese so nicht ganz auf ihre Top-Speed von 70 km/h beschleunigen!










Zum Abschluss in der Halbwüste Oudtshoorn mussten noch die Baby-Giraffen gefüttert werden, eine Aufgabe, der ich mich gerne angenommen habe. Hier blieb es dann auch beim Füttern, ein Versuch des Reitens wäre beiden Parteien vermutlich nicht gut bekommen.









Ein letztes Mal setzte ich mich, wieder umzingelt von deutschen Urlaubern, in den Baz Bus, um nach Kapstadt weiterzureisen. Dort angekommen wurde ich herzlich von der Reiseführerin empfangen, die mich auf einer Tour durchs KYP eingeladen hatte, wofür ich sehr dankbar war, nicht nur wegen den horrenden Preisen für Hostels in Kapstadt! Den vorerst einzigen Tag in der Metropole zwischen Bergen und Meer verbrachte ich typisch touristisch auf Sightseeing-Bussen, Märkten und am Strand.
Nach einem Erdinger Weißbier, einem schönen Tag in der Stadt am Südkap und 2 ereignisreichen, unvergesslichen Wochen meiner Reise trat ich schweren Herzens meinen Heimflug nach Soweto an und freue mich auf eine baldige erneute Reise mit meinen Eltern nach dem Motto: „Weihnachten bei 30° am Strand“!


Eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr!


Freitag, 6. November 2015

3 Dinge, wie... - Ein Rückblick auf 3 Monate Schwimmunterricht

Seit nunmehr 3 Monaten geben wir Schwimmunterricht für Kinder des Alters 8-12 aus dem KYP im Schwimmbad im benachbarten Ort Pimville. Damit führen wir das erfolgreiche Projekt, das unsere Vorgänger Paul und Kimon ins Leben gerufen haben fort.
Seit kurzem bekamen wir ein Upgrade und machen uns seitdem jeden Samstag auf den Weg zu einer Privatschule nach Sandton, wo wir von einem beheizten Hallenbad und zahlreichen persönlichen Trainer für jedes einzelne Kind erwartet werden. Dieser Luxus ist nicht nur für die Kinder ein regelrechter Kulturschock.
Ein Grund, nochmals auf amüsante, denkwürdige und in die Verzweiflung treibende Momente und Erkenntnisse aus den letzten Wochen zurückzublicken:

3 Dinge, wie man kleine Kinder in den Griff bekommt:
  1. Trillerpfeife in den Mund und kräftig reinblasen! Zwar mussten wir auf das „morgen“, „ auf jeden Fall diese Woche“ bzw. „garantiert nächste Woche“ versprochene Kindererziehungsinstrument letztendlich mehrere Wochen warten, dafür kam von seiten der Kindern ein „Yes, Coach“ meist unmittelbar nach dem Pfiff.
  2. Kekse mitbringen! Die leckeren Süßigkeiten als Belohnung für gutes (bzw. nicht übermäßig schlechtes) Verhalten ziehen immer.
  3. Zulu lernen! Auf „Woza“ (Komm) und „Hamba“ (Geh) hat bisher noch jedes Kind gehört. Es ist jedoch davon abzuraten, zu versuchen, den Namen „Nonhlanhla“ richtig auszusprechen, da die angestrebte Autorität sonst schnell eine Lachnummer zu werden droht.

3 Dinge, wie man kleine Kinder NICHT in den Griff bekommt:
  1. Rhetorische Fragen wie: „What the hell are you doing?“ oder „What is wrong with you?“ stellen! Antworten bleiben zumeist aus, ebenso wie eine Veränderung des Verhaltens.
  2. Auf die „allerletzte Warnung“ noch zwei weitere Warnungen folgen lassen! Aber wer will schon die „Lieben Kleinen“ bestrafen und sie aus dem Wasser schicken?
  3. Zulu lernen! Nach einigen Wochen helfen auch „Woza“ und „Hamba“ nicht mehr, und zudem versuchen manche Kinder, in der Hoffnung, wir sprächen die Sprache mittlerweile fließend, nur noch auf Zulu mit uns zu sprechen. Kommentare unsererseits dazu auf Deutsch schwächen die Zulu-Flut auf uns kaum ab, eher im Gegenteil.

Und schlussendlich noch 3 unvergessene Klassiker aus den vergangenen Stunden:
  • Bei den ersten Freischwimmübungen: „Mohammed, why are you moving backwards?“
  •  Auf dem Rückweg, auf dem die Kinder mehr mit Süßigkeiten essen als mit Laufen beschäftigt sind: Mphoo holt nicht etwa Cheetos oder Chips aus ihrem Rucksack, sondern, als wäre es das normalste auf der Welt, ein Chicken Wing. Auf die sarkastische Frage, ob sie denn noch mehr davon in ihrem Rucksack habe, lautet die Antwort ganz trocken „Yes, three“.
  • Und als letztes ein Gespräch, das uns Woche für Woche beschäftigte: „Are we going to swim today?“ – „Yes, of course! Do you have your swimming stuff?“ – „No“.








Freitag, 30. Oktober 2015

The Big Five

„Habt ihr schon wilde Tiere gesehen?“ Diese Frage haben wir uns in unserem bisherigen knapp zwei- bzw. dreimonatigen Aufenthalt schon öfters anhören müssen. Und die Antwort lautet stets: „Ja!“. Tagtäglich begegnen wir Ratten, Eulen, hin und wieder auch mal der ein oder anderen Kakerlake und auf dem Weg zum Krügerpark sogar einer Kuh! Da konnte unser Camping-Aufenthalt im Selbigen natürlich lange nicht mithalten. Fast zwei Tage hatte es gedauert, bis wir endlich alle „Big Five“ gesehen hatten, zeitraubende Stopps bei Giraffen, Hippos, stillenden Hyänen, springenden bis fliegenden Kudus und äpfelklauenden Affen erschwerten uns diese Mission.

Letztendlich hätte der Leopard genauso gut auch ein weiterer Ast an einem Baum sein können und auch der Löwe hatte sich außer einer riesigen wartenden Autokolonne nicht weiter angekündigt. Zweifellos wären wir ansonsten einfach an dem hunderte Meter entfernten reglos daliegenden Haarbüschel vorbeigefahren. Immerhin waren diese nicht so penetrant wie die Elefanten, die uns mehrmals an der Weiterfahrt hinderten, indem sie einfach in Rudeln die Straße blockierten. Sogar die Babyelefanten wurden zu dieser nervtötenden Belagerung genötigt.

Schlussendlich konnten wir uns somit nur mit einem Bruchteil der Geschwindigkeit fortbewegen, die auf den asphaltierten Straßen möglich gewesen wären, was uns fast den Wiedereintritt in unser Camp gekostet hätte und uns das Halbfinale der Rugby-WM gekostet hat (was wir ohne eine unnatürlich große Menschenansammlung vor flackernden Mattscheiben in einem „Restaurant“ sowieso nicht bemerkt hätten). Nach einer mehr oder weniger erholsamen regnerischen Nacht im kurz zuvor erworbenen 17€-Zelt, einem Frühstück mit Warzenschwein- und Kudufleisch, zahllosen weiteren tierischen Wegblockierern und einer dank zahlreichen Mautstellen teuren Heimfahrt kamen wir wieder in der von richtig wilden Tieren wimmelnden Großstadt an.

Die Big Five













Zum Glück konnten wir das für die Mautstellen ausgegebene Geld schon im Voraus an anderen Stellen einsparen, so ernährten wir uns dann und wann schonmal von Keksen, die pro Packung umgerechnet 3 Cent gekostet hatten. Dass wir unser Zelt mit 10 Rand Finderlohn wieder zurückgewinnen mussten, nachdem dies beim Trocknen daheim vom Winde verweht wurde, zerstörte unsere Bilanzrechnung natürlich wieder.

Das konnte unseren Gemütszustand allerdings nicht mehr groß beeinträchtigen, da ansonsten wirklich fast alles glatt lief: unser kürzlich angeschaffter Nissan Sentra ist mittlerweile versichert (was ihn vermutlich zu einem Unikat in ganz Südafrika macht), hat problemlos auch die ein oder andere Offroad-Straße im Krüger überlebt und bringt uns zuverlässig zu Malls und dem Fitnessstudio, bei dem wir nun mittlerweile auch endlich zu einem unschlagbaren Preis unter Vertrag stehen. Auch unsere Wohnung glitzert (nicht ganz planmäßig) dank 5l neuer Gloss-Farbe an den Wänden wieder wie neu.

Sogar im Projekt konnten wir mittlerweile eine kleine Gruppe motivierter Schüler dazu bewegen, an unserem Deutschkurs teilzunehmen. Vor allem an den „Ös“ und „Üs“ hapert es zwar noch ein bisschen, aber auch dank unserem Aushilfslehrer und Rückkehrer Michael, der nach einem Jahr in Deutschland fließend Deutsch spricht (laut Thomas Aussage sogar besser als er selbst), läuft sonst alles bestens.

Einziger Wermutstropfen im Projekt ist und bleibt der Garten, denn mittlerweile sind mangels Druck, defekten Geräten und spurlosem Verschwinden…
  1. Das Bewässerungssystem
  2. Der Gartenschlauch
  3. Die 20l Gieskanne und
  4. Die kleine Handsprühpumpe
… nicht mehr benutzbar. Bleibt uns nur noch übrig, selbst kleinste Setzlinge mit Wassereimern zu überfluten und alles auf unseren parasitenzerfressenen Spinat und die mehr in die Waagerechte wachsenden „Buschtomaten“ zu setzen. Solang uns währenddessen nicht ein stechender Verwesungsgeruch entgegenweht, wollen wir uns gar nicht beschweren. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser nicht von den Eulen kommt, die wir seit 4 Wochen hier in Käfigen an die Umgebung gewöhnen wollen, damit diese später auf Rattenjagd gehen.

Zum Abschluss noch ein paar weitere amüsante, schockierende und in Erinnerung bleibende Eindrücke aus der Regenbogennation:
  • Es ist jedes Mal wieder eine Freude, beim Pick and Pay Supermarkt an der Kasse zu stehen und die Kreditkarte (VISA-Card!) zu zücken. Die muss erstmal verifiziert werden. Einmal okay, nur blöd, dass dieses Prozedere selbst beim 3. Mal bei der ein und selben Kassiererin wieder durchgeführt werden muss. Oh Wunder, das Ergebnis ist jedes Mal dasselbe, die weißen Deutschen sind doch nicht so kriminell wie angenommen, die Karte scheint tatsächlich uns zu gehören.
  • Auf dem Rückweg vom Supermarkt verfolgten uns, was sonst nie der Fall war, auf einmal eine Horde Kinder. Ehe wir die Tür aufschließen und die Einkaufstaschen abstellen, ist schon die halbe Wohnung voll mit den kleinen Bengeln, die uns dann auch noch nach den eben gekauften Äpfeln anbetteln, dabei wurde mir doch erst vor Kurzem einer von einem Affen entwendet.
  • Vom Englischen/Zulu ins Deutsche übersetzt sind hier „Danke“, „Südafrika“, „Respekt“ oder „Öffentlichkeit“ geläufige Vornamen. Im besten Fall sind dann auch noch alle mit dem „VOLKSIEBUS“ unterwegs auf dem Oberholzer-Freeway nach Ultra City, Belfast oder Wesselsbronn.

      Viele Grüße aus Soweto!